Über Uns

Ende der 20er/Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts war Deutschland von besonders hoher Arbeitslosigkeit betroffen. Auch der Schlosser Walter Helbig verlor seine Stelle in den Zwickauer Horch-Werken. Wovon sollte er seine kleine Familie ernähren? Walter Helbig wagte den Schritt in die Selbstständigkeit und begann am 11. Oktober 1932 mit seinem Wandergewerbe. Mit einem Koffer zog er von Haus zu Haus und verkaufte Textilien – Handtücher, Schürzen, Wäsche.

Nachdem er seine Anstellung bei Horch wieder bekommen hatte, führte seine Ehefrau Brunhilde den Handel fort, aber nicht als Wandergewerbe. In ihrem Haus Rosinenberg 6 wurde eine Stube zum Verkaufsraum umgebaut und Brunhilde Helbig eröffnet ihren Textilhandel am 23. Februar 1935. Strick- und Schnittwaren, Schürzen und Strickwolle, Hemden, Hosen und sonstige Bedarfsartikel gehörten zu ihrem Angebot.

Dieses Stubengeschäft betrieb Brunhilde Helbig bis 1950. Der Älteste Sohn von Walter und Brunhilde Helbig – Günter – besuchte die Handelsschule und trat in das Geschäft seiner Mutter ein. Nach dem Krieg war es schwieriger geworden, Textilwaren in der erforderlichen Menge bereitzustellen. Brunhilde Helbig erhielt keine Zuteilungen mehr und so musste sie sich nach anderen Warengruppen umsehen. Nun verkaufte sie Wachstuch, Spielwaren, Christbaumschmuck, Glas- und Keramikwaren sowie erzgebirgische Holzwaren – und blieb private Händlerin.

Im Jahr 1951 konnte Brunhilde Helbig endlich ein Ladengeschäft eröffnen, in der Kirchberger Straße 25 hatte sie ein kleines Ladenlokal mit 16 m2 Verkaufsfläche gefunden. Um im Textilbereich präsent zu bleiben, entschied man sich, verschiedene Dienstleistungen anzubieten. So konnten die Kunden Stoffe zur Anfertigung von Textilien abgeben oder verschiedene Bekleidungsstücke für Reparaturarbeiten in Auftrag geben – damals ließ man noch Kragen wenden und Socken anstricken. Eine erste Zuteilung an Textilien, die Brunhilde Helbig erhielt, bestand aus 29 Scheuertüchern und 500 Kärtchen Stopfwolle. Dafür war aber ihr Geschäft das erste in Wilkau-Haßlau, welches Anfang der 50er Jahre Feuerwerkskörper verkaufte.

Im Jahr 1962 erfolgte ein Umzug in ein größeres Ladengeschäft in der Kirchberger Straße gegenüber dem bisherigen Standort. Tochter Gisela hatte sich bei der HO zur Verkäuferin ausbilden lassen, den Verkaufsstellenleiter-Abschluss erworben und war im Jahr 1963 in die Firma ihrer Mutter eingetreten. In den folgenden Jahren wurde das Sortiment systematisch erweitert und das Textilwarengeschäft von Brunhilde Helbig entwickelte sich zum Einkaufs- und Dienstleistungszentrum für die Stadt. Textilien, Haushaltwaren und Spielwaren bildeten den Kern des Angebotes. Darüber hinaus gab es viele andere nützliche und begehrte Artikel.

In wesentlich stärkerem Umfang entwickelte sich das Dienstleistungsangebot der Firma. Vertragsbeziehungen zu verschiedenartigsten Dienstleistungsfirmen in der ganzen Republik machten die Firma Bru-He zu einem begehrten Anlaufpunkt für alle Arten von Dienstleistungen – von Reinigung und Wäscherei über Maßanfertigung und Änderungsschneiderei, Kunststopfen und Monogrammstickerei bis hin zum Strumpfrepassieren. Aufträge für Dienstleistungen kamen per Post aus der ganzen Republik. In den 70er und 80er Jahren wurden jährlich 5.000 bis 7.000 Aufträge bearbeitet.

Am 1. Dezember 1969 hatte Günter Helbig die Leitung des Familienunternehmens übernommen. Gemeinsam mit seiner Schwester Gisela und neun Angestellten bemühte er sich, allen Kundenwünschen gerecht zu werden, und mit Erfolg, konnte seine Firma doch als Betrieb für vorbildliche Dienstleistungen“ ausgezeichnet werden.Nach der Wende konnte Günter Helbig ohne Einschränkungen wieder selbst entscheiden, was er in seinem Geschäft verkaufen wollte und entschied sich für ein Vollsortiment – Textilien, Kurzwaren, Spielwaren, Haushaltwaren und Geschenkartikel – sowie die Beibehaltung des breiten Dienstleistungsangebotes. Dies sprengte natürlich den Rahmen des kleinen Ladengeschäftes.

Günter Helbig und Gisela Ebert fanden eine Lösung, kauften das ehemalige Konsum-Kaufhaus der Stadt, ließen es umbauen und zogen am 28. November 1992 hier ein.

Mit der Gründung der GmbH am 1. Januar 1993 beteiligten die Geschwister auch ihren Bruder Frieder Helbig am Unternehmen. Bald schon konnte eine Filiale am Penny-Markt in Wilkau- Haßlau eröffnet werden.

Ist die Firma in den 70 Jahren ihres Bestehens auch beträchtlich gewachsen, so ist es doch ein Familienunternehmen geblieben. Siegfried Ebert, Ehemann von Gisela, arbeitet seit 1983 in der Firma mit, Tochter Pascaline kam 1989 ins Geschäft, ein Jahr zuvor Ines Schneider, Tochter von Frieder Helbig, und schließlich 1996 Pascalines Ehemann Jens Löscher. Am 1. Januar 2005 übernahm Pascaline Löscher dann die Geschäftsführung. Die Filiale wurde im April 2008 wieder geschlossen.
Text aus: “Geschäfte mit Geschichte” Herausgeber: Handelsverband Sachsen e.V. Recherche und Text: Dr.Angelika Rackel